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Am 3. Juli 2020 wurde die Stiftung Kirchengüter Pfarrei Heilige Familie Unterägeri ins Zuger Handelsregister eingetragen. Die Stiftung bezweckt in erster Linie „den Erhalt und Unterhalt von römisch-katholischen Kirchen und Kapellen sowie von weiteren kirchlichen Gütern im Gebiet der Pfarrei Heilige Familie Unterägeri“. Die Stiftung entstand im Frühjahr 2020 aus einer Kombinationsfusion der 1961 errichteten, nicht im Handelsregister eingetragenen kirchlichen Stiftungen „Pfarrkirchenstiftung Unbefleckte Empfängnis“, „Pfarrpfrund – Stiftung Unterägeri“, „römisch-katholische Kaplanei-Pfrundstiftung Unterägeri“ und „römisch katholische Dreifaltigkeits-Kapellen-Stiftung Unterägeri“. Die Stiftung ist eine kirchliche Stiftung, die nicht der staatlichen Aufsicht unterstellt ist, die kirchliche Aufsicht wird durch den Bischof von Basel wahrgenommen. Den Stiftungsrat bilden Kirchenrat Hubert Schuler (als Präsident) und Kirchgemeindepräsident Ivo Krämer als Vertreter der Kirchgemeinde sowie Gemeindeleiterin Margrit Küng als Vertretung der Pastorale. Als Revisionsstelle amtet abona TREUHAND AG aus Unterägeri.

Mit der Fusion wurde die Stiftung Eigentümerin der Grundstücke mit den Nummern 447 (Marienkirche), 450 (Pfarrhaus), 468/469 (Kaplanei mit Pfarreiheim Sonnenhof) und 34 (Dreifaltigkeitskapelle mit Eremitenhaus), die entsprechenden Änderungen im Grundbuch sind in Bearbeitung. Seit deren Bestehen bzw. Erwerb nutzt die Pfarrei Heilige Familie diese Gebäude und Flächen und die Kirchgemeinde ist seit der Ausscheidung der Gemeindegüter in Unterägeri im Jahre 1886 zuständig für die Verwaltung; sie kommt für den Unterhalt und alle übrigen laufenden Kosten auf, behält dafür im Gegenzug sämtliche Erträge. Diese seit langem gelebte Praxis in Bezug auf Nutzung und Unterhalt soll noch dieses Jahr formell in einem Nutzniessungsvertrag zwischen der neuen Stiftung und der Kirchgemeinde festgehalten werden. Er regelt die Rechte und Pflichten der beiden Parteien für die vom Gesetz zulässige Maximaldauer von 100 Jahren und stellt das Innenverhältnis zwischen der Stiftung und der Kirchgemeinde auf eine saubere rechtliche Basis. Durch den Vertrag entstehen der Kirchgemeinde keine neuen Kosten, da diese bereits heute von der Kirchgemeinde getragen werden und jeweils im Budget und der Jahresrechnung enthalten sind. Der Kirchenrat hat den Nutzniessungsvertrag gutgeheissen, Zustimmung und allfällige Änderungswünsche des Bistums Basel sowie von Notariat und Grundbuchamt bleiben vorbehalten. Der ordentlichen Kirchgemeindeversammlung 2020 – voraussichtlich am 29. September 2020 – wird der Vertrag zur Genehmigung unterbreitet.

Offen für alle – besonders für junge Erwachsene
In unserer Kapelle sind alle willkommen. Hier kannst du eine Kerze anzünden, Stille finden, meditieren, beten, Gespräche führen, Mini-Workshops besuchen, Kleinstkonzerte geniessen, Taizé-Lieder singen oder einfach eine Pause machen. «Heute stelle ich mir die.kapelle als modernes Wohnzimmer Gottes vor, in dem sich gläubige, suchende, kritische oder einfach neugierige (junge) Menschen willkommen fühlen und mit dem Göttlichen in Berührung kommen können.»
Thomas Betschart, Initiant die.kapelle

 

die.kapelle © Thomas Betschart

Die Kapelle steht bis Sonntag, 28. Juni 2020 zwischen der Pfarrkirche und der Ägerihalle in Unterägeri.

Weiterführende Informationen finden Sie hier.

Der Bundesrat erlaubt Gottesdienste ab Ende Mai. In der Pfarrkirche kann deshalb am Pfingstwochenende Samstag 30. Mai und Pfingstsonntag, 31. Mai, wieder Gottesdienst gefeiert werden. Das Bistum hat den Pfarreien ein Schutzkonzept zugestellt, das sie auf ihre Situation herunter zu brechen und umzusetzen haben. Wir haben uns im Pastoralraum zusammengesetzt und dies miteinander besprochen.

Folgende Punkte sind für Gottesdienstbesucher/-innen wichtig:

  • Personen mit Krankheitssymptomen nehmen nicht am Gottesdienst teil.
  • Gemäss den Sicherheitsbestimmungen bietet die Kirche Platz für 160 Personen.
  • Die Hände sind zu desinfizieren (Desinfektionsmittel steht beim Kircheneingang bereit).
  • Den Besuchern werden in der Kirche Plätze zugewiesen. Personen aus dem gleichen Haushalt können neben einander sitzen.
  • Beim Kommuniongang ist der Abstand von zwei Metern einzuhalten. (Markierungen am Boden beachten)
  • Die Kommunion wird wortlos (ohne Amen) auf die Hand empfangen.
  • Die Kollekte wird am Schluss des Gottesdienstes bei der Türe eingezogen.
  • Nach dem Gottesdienst verlassen die Besucher/innen die Kirche gestaffelt, sodass sich keine «Trauben» vor dem Ausgang bilden.
  • Es besteht die Möglichkeit sich für den Gottesdienst anzumelden: beim Pfarramt: Telefonnummer: 041 754 57 77 oder pfarramt@pfarrei-unteraegeri.ch
  • Beachten Sie auch die Aushänge in den Schaukästen und an der Kirchentüre.

Gerne stehen wir Ihnen für allfällige Fragen zur Verfügung.  Wir freuen uns auf Sie und das gemeinsame Feiern.

Im Namen des Seelsorgeteams,

Margrit Küng, Gemeindeleiterin

Die Kirche gedenkt am 19. Mai der ersten Heiligen Frau der Schweiz: Maria Bernarda Bütler.

Vielleicht ist sie Ihnen nicht bekannt. Mich verbindet mit dieser Heiligen, dass ich ein paar Jahre in ihrem Geburtsort leben und wirken durfte. Gerne stelle ich Ihnen die Hl. Maria Bernarda kurz vor:

Unweit der Zuger Grenze in Auw im Freiamt AG ist Maria Bernarda am 28. Mai 1848

als Verena Bütler zur Welt gekommen und mit sieben Geschwistern aufgewachsen.

Schon früh verspürte sie den Wunsch, ihr Leben Gott zu weihen. Sie trat ins Kloster Hl. Kreuz in Menzingen ein, doch das Heimweh plagte sie so sehr, dass sie wieder heimkehrte. Auf Anraten des Pfarrers von Auw trat sie am 12. November 1867 ins Kloster Maria Hilf Altstätten SG ein.  Mit dem Ablegen der Gelübde erhielt sie ihren Ordensnamen «Maria Bernarda». Sie war beliebt und wurde sehr geschätzt. Ihre Mitschwestern wählten sie 1880 zur Oberin.

1887 kam sie in Kontakt mit dem Franziskaner Orden in Amerika. Die Bitte um Schwestern, welche sich in Amerika engagieren, erreichte das Kloster Maria Hilf. Nachdem sie das Oberinnenamt abgegeben hatte, brach Maria Bernarda am 19. Juni 1888 mit sechs Mitschwestern nach Ecuador auf. Dort gründete sie die Kongregation der «Franziskaner Missionsschwestern von Maria Hilf».

Ihr Arbeitsfeld war Chone, ein Ort von etwa 13.000 Einwohnern. Die Schwestern setzten sich vor allem für die Bildung, Familienarbeit und Katechese ein. Die Kongregation wuchs und schon bald entstanden weitere Schwesternniederlassungen in Ecuador.

1895 brach eine gewaltsame Verfolgung aus und die Schwestern mussten Ecuador verlassen. Sie flohen nach Kolumbien. Am 2. August 1895 bezogen die Schwestern einen Flügel des Frauenspitals in Cartagena.

Im franziskanischen Geist wirkten Maria Bernarda und ihre Mitschwestern unter den Armen, um ihre Nöte an Leib und Seele zu lindern. Bald wurden in Brasilien, Österreich und der Schweiz Niederlassungen gegründet. Den Schwestern pflegte sie stets zu raten: «Öffnet eure Häuser, um den Armen, Kranken und Ausgestossenen zu helfen».

Als sie am 19. Mai 1924 starb, war sie 76 Jahre alt. In Windeseile verbreitete sich die Nachricht von ihrem Tod. In der Kathedrale von Cartagena sagte der Pfarrer: «Heute früh ist in unserer Stadt eine Heilige gestorben, die ehrwürdige Mutter Bernarda».  Ihr Grab wurde schnell zu einem Wallfahrtsort und einer Stätte des Gebetes.

Die Liebe und der Missionsgeist von Mutter Maria Bernarda, wie sie in Südamerika genannt wurde, leben fort in ihrer Kongregation, die sich über 10 Länder und in drei Kontinenten verbreitet hat.

Maria Bernarda lebte und handelte ganz nach dem Evangelium, deshalb bekannte sie auch:

 

«MEIN LEITSTERN IST DAS EVANGELIUM»

 

Am 29. Oktober 1995 wurde Maria Bernarda Bütler selig- und am 12. Oktober 2008 in Rom heiliggesprochen.

Maria Bernarda war eine fleissige Schreiberin: über 2000 Briefe, 37 Tagebücher. Hier ein paar Zitate von ihr: «Ein weites Herz müsst ihr haben!»

«Klammere dich fest an den Anker der Hoffnung. Lege dich zaglos in Gottes Arme.»

«In der Schule lernte ich, was ich musste, um nicht ganz dumm zu bleiben. Ich rechnete nicht gern und schrieb schlecht. Das einzige, was ich willkommen hiess, waren Beschreibungen aus dem Reich der Natur.»

Vielleicht möchten Sie diese heilige Frau noch etwas näher kennenlernen.

Das Geburtshaus in Auw steht noch, in der Kirche St. Nikolaus Auw findet sich der Taufstein, eine Nische mit der Reliquie der Heiligen. Besonders einladend ist der rund 1 km lange Besinnungsweg mit bewegten und bewegenden Symboliken, die zur Besinnung anregen. So wird am Ende des Weges klar:

Maria Bernarda bleibt bis heute eine besondere Frau, die Zeugnis für das Evangelium ablegte. Sie lehrt uns, wie das Evangelium zu unserem Leitstern wird, wie wir Gebet und Arbeit, Leben im Dienst an Gott und Dienst am Nächsten miteinander verbinden können und so zu «Leitsternen» füreinander werden. Darauf dürfen wir uns gerade auch in schwierigen Zeiten besinnen.

Kurz vor seiner Heimkehr zum Vater schickt Jesus seine Jüngerinnen und Jünger auf den Weg. Sie sollen dafür sorgen, dass alle Menschen von Gottes froher Botschaft erfahren. Die so Gesendeten können fortan nicht mehr hinter dem Menschen Jesus hergehen. Sie haben den Auftrag, selber voranzugehen. «Ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt». Mit diesem Versprechen sendet Jesus sie aus, an seiner Stelle und für ihn zu gehen.

Der Auffahrtstag ist für viele in unserem Kanton verbunden mit Gehen, mit der Landeswallfahrt nach Einsiedeln. Seit Jahren lege ich diesen Weg am liebsten als Pilgerwanderung zurück. Wenn ich langsam gehe, habe ich mehr vom Weg. Dann geniesse ich dankbar das fröhliche Trällern des Buchfinks, den Duft frisch gemähter Wiesen, den ersten wärmenden Sonnenstrahl und das mächtige Glockengeläut der Klosterkirche, das die Gebete der Pilgernden zum Himmel trägt.

Unser Leben wird oft verglichen mit einer Pilgerwanderung. Manchmal erlaubt unser Lebensweg, leichten Schrittes und bei schöner Aussicht voranzugehen. Manchmal sind Lebensabschnitte auch schwer begehbar, anstrengend oder gefährlich. Und wenn das Gehen keine Freude mehr macht? Wenn das Atmen schwerer fällt, Gelenke schmerzen, die Kraft nachlässt, der Weg sich verliert? Vielleicht fragen wir uns dann, wofür wir überhaupt gehen. Kann es sein, dass wir dann einen inneren Weg gehen sollen, weil wir wie die Jüngerinnen und Jünger einen Auftrag, eine Sendung haben?

Für wen und wie auch immer wir unterwegs sind – Jesus geht mit uns bis zum letzten unserer Tage und bis ans Ende der Welt. Er schenkt uns die Kraft, Tag für Tag unsere äusseren und inneren Wege zu gehen.

Gott segne deinen Weg

die sicheren und die tastenden Schritte

die einsamen und die begleiteten

die großen und die kleinen

Gott segne dich auf deinem Weg

mit Atem über die nächste Biegung hinaus

mit unermüdlicher Hoffnung

die vom Ziel singt, das sie nicht sieht

mit dem Mut, stehenzubleiben

und der Kraft, weiterzugehen

Geh im Segen

und gesegnet bist du Segen

wirst du Segen

bist ein Segen

wohin dich der Weg auch führt.

Katja Süss

Im Marienmonat Mai wird an vielen Orten regelmässig der Rosenkranz gebetet. Zehn Mal das «Gegrüsst seist du, Maria» mit dem Einschub – dem «Gsätzli» – und das «Vater unser» bei den grösseren Perlen. Dieses Mariengebet ist ein «Zusammenschnitt» der Begrüssungen bei den Begegnungen Marias mit dem Engel und Elisabeth, ergänzt mit der Bitte um die Fürbitte Mariens für uns.

Gegrüsst seist du, Maria, voll der Gnade,

der Herr ist mit dir.

Du bist gebenedeit unter den Frauen,

und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus. (Einschub des «Gsätzlis»)

Heilige Maria, Mutter Gottes,

bitte für uns Sünder

jetzt und in der Stunde unseres Todes.

Amen

Meinen ersten Rosenkranz bekam ich von meiner Grossmutter zur Erstkommunion geschenkt. Er war natürlich schön weiss, sodass er zum Kleid und dem weissen Einband des Kirchengesangbuchs passte. Zu diesem Geschenk gehörte auch eine Wallfahrt mit den Grosseltern nach Einsiedeln, wo ich meine erste theologische Diskussion führte. Ziemlich empört wollte ich von meiner Grossmutter wissen, weshalb wir im Gottesdienst im Marienlied «oh hilf uns streiten zu allen Zeiten» gesungen hatten – Streiten sei doch nicht gut. An ihre Antwort erinnere ich mich nicht. Das Rosenkranzgebet habe ich erst viel später schätzen gelernt. Und tatsächlich hat mir das Gebet auch schon geholfen, nicht zu streiten, sehr wohl aber durch- und standzuhalten.

Abstand bekommen, Luft holen, den Kopf lüften, darüber schlafen; Das sind Strategien, um bei einem Konflikt «den Rank zu finden». Den Rosenkranz zu beten ist für mich eine weitere Möglichkeit. Im meditativen Beten des «Gegrüsst seist du, Maria» kann ich mich wie in einer Hängematte wiegen lassen. Mit dem «Gsätzli» – dem eigentlich wichtigeren Teil des Rosenkranzgebetes – werden uns Szenen aus dem Leben von Jesu in Erinnerung gerufen. Wenn ich für mich alleine bete, erlaube ich mir, damit kreativ umzugehen. So bete ich auch gern einmal: «… und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus, der mit den Pharisäern gestritten hat.» Dabei schwingt dann die Frage mit: «Jesus, wie soll ich entscheiden, was soll ich sagen?» Und einmal landete einer meiner Rosenkränze – ich habe inzwischen eine Sammlung von ganz kleinen bis ganz grossen – im Auto. Im Stau dachte ich mir dann:  «Na gut, dann bete ich den Rosenkranz … Jesus, der Geduld mit seinen Jüngern brauchte.» Ich habe diesen Stau mit erstaunlicher innerer Ruhe überstanden.

Schade, dass wir dieses Jahr nicht gemeinsam nach Einsiedeln pilgern können. Aber eventuell nehmen Sie einmal den Rosenkranz in die Hand und beten ihn. Ich wünsche Ihnen viele gute Ideen, um ihn in Ihr ureigenes Gebet zu verwandeln.

Viele erwachsene Söhne und Töchter besuchen am Muttertag ihre Mutter. Damit drücken sie ihre Dankbarkeit und Wertschätzung für alles aus, was sie ihnen seit der Geburt an Liebe, Unterstützung und Förderung gegeben hat.

In diesem Jahr werden viele ältere Mütter vergeblich auf den Besuch ihrer Kinder warten. Zumindest wird das gemeinsame Mittagessen ausfallen. Der kleine Ausflug sowieso. Denn nach wie vor sind die Menschen zur Vorsicht bei sozialen Kontakten aufgerufen. Bei älteren Menschen soll der direkte Kontakt wenn möglich ganz vermieden werden.

Ob meine Mutter das gemeinsame Mittagessen am Muttertag vermissen wird, weiss ich nicht. Zumal sie mehr und mehr in ihrer eigenen Welt lebt. Und zu dieser Welt habe ich keinen Zugang. Nur bei den fast täglichen Anrufen können meine Schwester und ich sie für ein paar Augenblicke ins Jetzt hineinholen, indem wir von unserem und dem Leben unserer Kinder erzählen.

Noch vor wenigen Monaten bekamen wir mit, was unsere Mutter beschäftigte: Vor allem die Vergangenheit. Gerne erzählte sie von früheren Erlebnissen mit den Grosskindern und schönen Ehejahren. Oft erzählte sie aber auch vom Schweren, das ihr im Leben widerfahren war: Vom frühen Tod ihrer leiblichen Mutter. Vom Getrenntsein von ihren Schwestern, bis der Grossvater wieder heiratete. Von durchlebten Ängsten bei Fliegeralarmen während dem 2. Weltkrieg, wenn sie als siebenjähriges Mädchen alleine unterwegs war.

Demenz ist eine Krankheit des schrittweisen Abschiednehmens. Zum Abschiednehmen gehören neben Trauer, Wut und Enttäuschung hoffentlich auch Friedenschliessen mit dem Vergangenen und Dankbarkeit für so manches Gewesene.

Abschiednehmen müssen aber nicht nur die Erkrankten, sondern auch ihre Angehörigen. Sie müssen sich von Vorstellungen und alten Rollenbildern verabschieden. Und deshalb gehören Trauer und Dankbarkeit auch zu ihrer Situation.

Am Muttertag ist es vielen Töchtern und Söhnen ein Bedürfnis, ihrer Mutter für das Gewesene zu danken. In diesem Jahr ist das nicht in der gewohnten Form möglich. Doch Dankbarkeit zeigt sich nicht nur beim gemeinsamen Mittagessen am zweiten Maisonntag. Dankbarkeit macht sich nicht an einem zeitlich begrenzten Moment fest. Dankbarkeit ist eine Haltung. Und diese Haltung zeigt sich auch in der Art, wie Kinder ihre neue Rolle gegenüber den auf Unterstützung angewiesenen Eltern annehmen.

Alles Gute zum Muttertag.

Ich bin gekommen, damit sie Leben haben und es in Fülle haben“, so heisst der Schlusssatz des heutigen Evangeliums. Dieser Satz trifft die Sehnsucht der Menschen, denn wer von uns wollte das nicht, «Leben in Fülle haben»? Doch wie soll dies gehen in einer Welt, die uns oft feindlich gesinnt scheint, die harte Bedingungen stellt. Gerade in den letzten Wochen und Monaten, da unser Leben durch ein Virus in Frage gestellt und bedroht wird, wächst die Sehnsucht nach Leben, nach einem guten Leben erst recht. Jesus bietet uns in dieser Bibelstelle dafür drei Möglichkeiten, drei Bilder, wie wir erfüllt leben können.

Das Bild der Tür: Eine Tür öffnet und verschliesst. Sie öffnet sich für Möglichkeiten und Gefahren, wenn wir hinausgehen. Sie bietet Schutz, Sicherheit und Geborgenheit, wenn wir sie von innen schliessen. Ein Türrahmen ist ein relativ stabiler Ort, zum Beispiel bei einem Erdbeben. Türen gehören zu unserem Leben. Wir können nicht so leben, als müssten wir uns nicht entscheiden, als gäbe es kein drinnen und draussen, als gäbe es keine Türen, die sich uns öffnen oder verschliessen. Jesus sieht sich und seine Botschaft als Tür zum Leben. Wo ich unter seinem Türrahmen hindurchgehe, finde ich Freiheit und Weide, also Nahrung für meine Seele.  Jesus als Tür kann ich nutzen in beide Richtungen. Er ermöglicht mir Freiheit und gibt mir Schutz. Er begleitet mein Wagnis und schenkt mir Geborgenheit.

Schafe und Hirte: Schaf und Hirte war den Menschen zurzeit Jesu ein vertrautes Bild. Wir müssen es uns heute neu erschliessen. Für ein Leben in Fülle, muss ich mit beidem rechnen: Schaf und Hirte. Beide brauchen sich gegenseitig, um ein gutes Leben zu haben. Schafe wissen, wohin sie gehören, sie kennen den Hirten, die Hirtin. Schafe sind Herdentiere und gehören deshalb zusammen. Von ihnen können wir lernen: zu wissen, was ich brauche, wohin ich gehöre, mit anderen unterwegs zu sein, aufeinander zu achten. Ist es nicht gerade das, was uns im Moment fehlt, was wir vielleicht sogar schmerzlich vermissen: die persönliche Nähe, das persönliche Gespräch am Tisch, das Treffen und den Austausch mit Freunden, den gemeinsamen Gottesdienst? Der Hirte übernimmt Verantwortung für seine Herde, sorgt sich um jedes einzelne Schaf, ist Tag und Nacht bereit zu wachen und die Schafe zu beschützen. Jesus sagt an anderer Stelle von sich: »Ich bin der gute Hirte.» Für Jemanden oder Viele Verantwortung zu übernehmen, zu sorgen, wohlwollend zu sein, können wir vom «guten Hirten Jesu» lernen. Heute «Hirte, Hirtin sein», kann heissen: für unsere Kinder und alle der Risikogruppe angehörenden Menschen, für Kranke, Einsame, Trauernde… da zu sein, Rücksicht zu nehmen, Unterstützung anzubieten.

Den Ruf hören und dem folgen, der meinen Namen kennt:  Mit und über den Namen erhalte ich meine Identität, er gehört zu mir. Er macht mich unverwechselbar und einzigartig. Zu einem Leben in Fülle gehört ein Name, der zu mir passt, auf den ich höre, wenn ich gerufen werde. Im Ruf und dem Hören darauf wird sichtbar, wie gut die Beziehung ist zwischen dem, der ruft und dem, der gerufen wird. Durch die Tür der Taufe sind wir mit Jesus Christus in einer besonderen Weise verbunden, wir sind auf seinen Namen getauft. Er be-ruft uns zum Leben in seiner Nachfolge, in seinem Geist. Gerufen werden, darauf hören, be-rufen sein, ermöglicht ein erfülltes Leben.  Jeder Beruf wird zur Berufung, wenn der Mensch seine Fähigkeiten und Talente zum eigenen und zum Wohl aller einsetzt.  Jesus ruft jeder und jedem von uns zu: „Ich bin gekommen, damit du Leben hast und es in Fülle hast.» Folgen wir seinem Ruf in unserem Leben und durch unser Handeln. Dazu wünsche ich uns allen in der nächsten Woche viel Mut, Geduld und Zuversicht. Gottes Segen begleite und beschütze uns.

Im letzten Monat wurde ich von überall her geradezu überschwemmt mit Telefonanrufen, Nachrichten und E-Mails. Diese Pandemie hat Panik, Angst, Verwirrung, Traurigkeit, Verzweiflung und Wut verursacht. Immer mehr habe ich das Gefühl, in einem „Weltuntergangs-Film“ zu leben, aber die Art, die ich instinktiv ausschalten würde, weil sie zu verstörend ist. Und selbst die religiösesten Leute fragen mich: Warum passiert das? Wo ist Gott in all dem?

Die Erzählung der Emmaus-Geschichte an diesem dritten Ostersonntag ist sehr ergreifend. Das Evangelium gibt uns irgendwie Antwort auf diese existenzielle Frage. Die Jünger wollen auch heraus dem erlebten „Weltuntergangs-Szenario“.  Sie waren niedergeschlagen, entmutigt und ängstlich. Das Leben schien düster, bedrückt und unsicher. Dann trafen sie Jesus auf der Strasse, aber sie erkannten ihn nicht. Er ging mit ihnen, erklärte ihnen die heiligen Schriften und öffnete ihre Herzen. Als die Zeit für das Abendessen kam, fühlten sie eine starke Bindung zu diesem „Fremden“. Die Gegenwart Jesu linderte den Schmerz ihrer Herzen und erfüllte sie mit Hoffnung. Die Angst, die sie ergriffen hatte, löste sich und sie waren voller Freude. Dann erkannten sie Jesus beim Brechen des Brotes. Mit Mut und Freude kehrten sie nach Jerusalem zurück und verkündeten, dass der Herr tatsächlich auferstanden ist.

Wo ist Gott in all dem? Wie die Jünger auf dem Weg nach Emmaus geht Gott mit uns in dieser Pandemie. Wir können die Gegenwart Gottes in den Menschen sehen, die unser Herz durch ihren Dienst berühren, in den „Frontlinern“, in Personen, die in dieser Zeit der Krise, ihre Liebe gerade auf die Bedürftigen gerichtet haben. Natürlich ist Gott auch in den Betroffenen des Coronavirus gegenwärtig.

Wenn wir uns diese Woche an die Gegenwart den auferstandenen Christus erinnern, können auch wir ihn bitten, bei uns zu bleiben. Es ist eine gute Zeit, darüber nachzudenken, wo wir jetzt am meisten die Liebe, die Führung und die Ermutigung Jesu brauchen. Gibt es einen Ort, an dem wir versuchen, „alleine zu gehen“? Haben wir Entscheidungen zu treffen, wo die Einladung Jesu uns helfen würde, die Richtung zu finden, nach der wir suchen? Wenn wir Jesus einladen, „bei uns zu bleiben“, erinnert es uns daran, wie nahe der auferstandene Christus uns ist, und es bestätigt unseren tiefen Glauben, dass wir diese Gegenwart in unserem Leben brauchen.

Schliessen wir uns dem Ruf der Jünger an; „Bliebe bei uns“ und wir fragen uns, ob und wie es möglich sein kann, dass durch mich auch andere Menschen Jesus Christus erfahren.

 

Sie alle kennen sicher den Aufkleber «Achtung zerbrechlich» von Paketen, mit denen man besonders sorgfältig umgehen muss, damit wertvolles Glas, Porzellan usw. nicht in Einzelteilen beim Empfänger ankommt.

«Achtung zerbrechlich», das gilt auch für das neue Leben, das wir an Ostern feiern.

Denn das, was die Frauen damals in der Frühe des neuen Morgens erfahren, ist alles andere als stark und mächtig. Es ist vielmehr zart und zerbrechlich.

An jenem Ostermorgen sind die Frauen sicher nicht kraftvoll und mit festem Schritt unterwegs, sondern viel eher tastend, verunsichert und suchend. Ihr Weg ist kaum erkennbar, die Dunkelheit noch zu gross, nicht nur weil es vor Sonnenaufgang war. Das äussere Bild deckt sich mit ihrem inneren Empfinden.

Vielleicht war es eine ähnliche Stimmung, die wir in diesen Tagen erleben, verunsichert durch das Corona Virus, suchend nach Lösungen, Normalität, Alltag…

Die Frauen damals standen nach dem gewaltsamen Tod von Jesus vor den Scherben ihrer Hoffnungen. Sie sahen auch für sich selbst kaum einen Weg, denn ihre Träume wurden mit Jesu Tod begraben.

Und doch machen sie sich auf, Schritt für Schritt. Vielleicht war es mehr ein Funktionieren eine Art Reflex, auf diese Weise doch noch etwas für diesen geliebten Menschen tun zu können. Es war ein schwerer Weg und doch war es einer, den unzählige Menschen gehen müssen.

Am Ziel ihres Weges angekommen, werden sie nochmals erschüttert und verunsichert: Das verschlossene Felsengrab ist offen und leer. Wir können wohl gut nachvollziehen, dass die Frauen dies weder verstehen noch einordnen können. Trotzdem beginnt in diesem Moment das, was sie später als Auferstehungserfahrung beschreiben.

So wie es uns erzählt wird, ist dieses neue Leben nicht etwas, was sich mit Pauken und Trompeten ankündigt, sondern es beginnt ruhig und still, wie eine Blüte, eine Osterglocke, sich langsam öffnet.

Zerbrechlich sind die Gedanken und erst mit der Zeit beginnen die Frauen zu begreifen, was dort geschehen ist: Es braucht eben Zeit, bis aus der Erschütterung und dem Entsetzten, Freude wird. Es braucht einen Weg, bis wir die Trauer hinter uns lassen können, bis der neue Morgen seine Kraft entfaltet.

Anstatt nach einer Enttäuschung alles hinzuwerfen und wegzulaufen, ist Ostern die Ermutigung trotz aller schwierigen Momente, einen neuen Schritt zu wagen, und wenn er auch zaghaft und unsicher ist.

Ostern ist die Ermutigung das Neue zu entdecken, auch wenn es noch nicht so klar zu erkennen ist.

Ostern ist die Ermutigung zu erfahren, der Weg geht weiter; der Weg, der zum Leben führt.

Ostern ist die Ermutigung zu glauben, zu trauen und zu lernen unsere Augen und Herzen für die Wunder in unserem Alltag zu öffnen.

Denn mitten in unserem Alltag, hier und heute, wächst neues Leben: Enkel, die ihren Grosseltern telefonieren, einen Brief schreiben; Nachbarn, die füreinander einkaufen gehen, Frauen und Männer, die in Spitälern, Einkaufsläden, Politik…. für uns da sind; Jugendliche, die auf Treffen mit Kolleginnen und Sportsfreunden verzichten, um die Risikogruppen nicht zu gefährden …

Mitten in unserem Alltag wird Ostern, geschieht Auferstehung, ruhig und still, zart und zerbrechlich.

Ich wünsche Ihnen, viel Kraft, Gesundheit und ein gesegnetes Osterfest!

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